Lilian Schibli 2. Februar 2026

Investitionen in umstrittenen Tiefseebergbau: Umweltorganisationen übergeben Brief an die SNB

In einem offenen Brief vom 29. Januar 2026 fordern elf Organisationen, die SNB auf, ihre Millioneninvestition in The Metals Company zu beenden. Das Unternehmen plant den industriellen Rohstoffabbau in der Tiefsee, wodurch die marine Biodiversität massiv bedroht wird.


Offener Brief:

Wir möchten unsere Besorgnis bezüglich der Investitionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Höhe von rund USD 2,94 Millionen in The Metals Company (TMC) zum Ausdruck bringen. Dieses in Kanada registrierte Unternehmen konzentriert sich hauptsächlich auf die Ausbeutung des Tiefseebodens. Diese Investition widerspricht den internationalen Verpflichtungen der Schweiz sowie dem Leitbild der SNB.
Die Schweiz ist Unterzeichnerin der 2023 verabschiedeten Erklärung, die zu einem vorsorglichen Moratorium für den Meeresbodenbergbau aufruft, da diese Aktivitäten erhebliche und irreversible Risiken für marine Ökosysteme und die globale Biodiversität darstellen. Mit ihrer Investition in ein im Meeresbodenbergbau tätiges Unternehmen gefährdet die SNB den Geist und die Glaubwürdigkeit dieser Vereinbarung. TMC hat in den USA zwei umstrittene Explorationslizenzen sowie eine kommerzielle Abbaugenehmigung für Tiefseemineralien beantragt. Da TMC ausserhalb des internationalen
Rechtsrahmens von Teil XI des UN-Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) operiert, hat dies erhebliche Bedenken ausgelöst. Der Generalsekretär der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority – ISA) hat klargestellt: „Der Antrag auf Genehmigung betrifft den Tiefseebergbau ausserhalb der Hoheits- und Zuständigkeitsbereiche der Vereinigten Staaten.” Die auf Artikel 137 basierende Erklärung des Generalsekretärs verdeutlicht die international vereinbarte Position: “… kein Staat darf Souveränität oder Hoheitsrechte über einen Teil des Gebiets [den Meeresboden in internationalen Gewässern] oder dessen Bodenschätze beanspruchen, erwerben oder ausüben. Dies schliesst jede Form der Aneignung oder Veräusserung durch einen Staat oder eine natürliche der juristische Person aus.”

Als Vertragspartei des UNCLOS besteht für die Schweiz und andere Vertragsstaaten das Risiko rechtlicher Konsequenzen, sollten sie ein Unternehmen unterstützen, das mit einer US-Genehmigung in internationalen Gewässern Bergbau betreibt. Zudem bestehen Reputationsrisiken, und in der Schweiz wurden bereits öffentliche und politische Bedenken geäussert.
Diese Investition widerspricht grundlegend dem Statut der SNB, das die Institution verpflichtet, „im Interesse des Landes als Ganzes” zu handeln, ihre Glaubwürdigkeit zu wahren und Umweltkriterien in ihren Geschäftsbeziehungen zu berücksichtigen. Der Tiefseebergbau wird weithin als unvereinbar mit dem Vorsorgeprinzip im Umweltschutz und dem Klimaschutz
angesehen. „Die Nationalbank [erwirbt] keine Wertschriften von Unternehmen, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen, systematisch gravierende Umweltschäden verursachen, primär Kohle zur Energiegewinnung abbauen oder in die Produktion international geächteter Waffen involviert sind. Unter geächteten Waffen werden B- und C-Waffen, Streumunition
und Personenminen verstanden. Zusätzlich erwirbt die Nationalbank auch keine Aktien von Unternehmen, die in die Produktion von Nuklearwaffen für Staaten involviert sind, die nicht zu den fünf legitimen Atommächten gemäss UNO-Definition zählen. Unter dem Kriterium “systematisch gravierende Umweltschädigung” werden einzelne Unternehmen ausgeschlossen, die im Rahmen ihrer Produktion beispielsweise Gewässer oder Landschaften systematisch vergiften oder die Biodiversität massiv schädigen.”
Zusammenfassend steht die Investition der SNB in TMC im klaren Widerspruch zu ihren eigenen Leitbildverpflichtungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Umweltverantwortung und institutionelle Glaubwürdigkeit – sowie zu der von der Schweiz erklärten Unterstützung eines Moratoriums für den Meeresbodenbergbau.

Vor diesem Hintergrund fordern wir die SNB auf, ihre Investitionen in TMC umgehend zurückzuziehen und sich den mittlerweile 40 Finanzinstituten anzuschliessen, die ein solches Moratorium befürworten. Bei Untätigkeit riskiert die SNB nicht nur das Vertrauen der Öffentlichkeit, sondern auch den Ruf der Schweiz als glaubwürdige Verfechterin von Umweltschutz und
internationaler Rechtsstaatlichkeit.

Wir weisen Sie darauf hin, dass dieser offene Brief an die Presse weitergeleitet wird.

Wir bitten um eine zeitnahe Stellungnahme und Überprüfung der genannten Investitionen und verbleiben mit vorzüglicher Hochachtung.


Die unterzeichnenden Organisationen,

Gallifrey Foundation, DSMC, Trash Hero, Kyma, Ocean Care, The Ocean and Us, Sea Shepherd, Camapx, WWF, Unsere-SNB Koalition