Die SNB investiert in Demokratie- und Klimazerstörung
Die SNB hält weiterhin Anteile an Unternehmen im Portfolio, deren Geschäftspraktiken mit ihren eigenen Investitionsrichtlinien offensichtlich unvereinbar sind. Gemäss ihren Richtlinien sollte die SNB Unternehmen ausschliessen, die grundlegende Menschenrechte verletzen oder systematisch schwere Umweltschäden verursachen. Zwei symbolträchtige Anlagefälle stehen besonders in der Kritik: ExxonMobil und Palantir.
ExxonMobil (SNB-Investitionen, Stand Feb. 2026: 1.4 Mrd. CHF):
ExxonMobil ist einer der grössten Öl- und Gasproduzenten der Welt und seit 1884 für 57,5 Milliarden Tonnen CO₂-Emissionen verantwortlich (Platz 5 global laut Carbon Majors).
Fossile Expansion: Der Konzern expandiert weiter im grossen Stil in neue Fördergebiete – unter anderem in die artenreichen Regenwälder Papua-Neuguineas. Zwischen 2023 und 2025 gab Exxon jährlich durchschnittlich 1,15 Milliarden Dollar für neue Explorationen aus. Das Unternehmen ist für massive CO₂-Emissionen und über 16 000 Verstösse gegen den US-„Clean Air Act“ verantwortlich. Rund 87% der Öl- und Gasfeldentwicklungen des Unternehmens sind laut GOGEL nicht mit dem 1,5°C-Pfad der Internationalen Energieagentur (IEA) vereinbar.
Klimawandelleugnung und Greenwashing: Obwohl Exxon bereits seit 1977 nachweislich über die Gefahren den Klimawandel informiert war, finanzierte der Konzern über Jahrzehnte hinweg Thinktanks, die den Klimawandel leugnen und politische Massnahmen blockieren. Während sich Exxon öffentlich und Investoren gegenüber inzwischen als klimafreundlich präsentiert, fliessen Spenden an Politiker, die Klimamassnahmen aktiv bekämpfen. Mehrere US-Bundesstaaten und Gemeinden haben deshalb Klagen wegen „Klimatäuschung” eingereicht.
Palantir Technologies (SNB-Investitionen, Stand Feb. 2026: 1.1 Mrd. CHF):
Palantir wurde 2003 mit CIA-Finanzierung gegründet und entwickelt KI-gestützte Datenanalysesoftware.
Menschenrechtsverletzungen: Palantir-Datensysteme werden von US-Behörden wie ICE für Massendeportationen und die Überwachung der Opposition eingesetzt. 2025 starben 33 Menschen in ICE-Gewahrsam. Im Januar 2026 wurden zwei US-Bürger bei ICE-Operationen erschossen. 2024 schloss Palantir eine strategische Partnerschaft mit dem israelischen Verteidigungsministerium. Die UN-Menschenrechtskommission stufte das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza als Völkermord ein. Amnesty attestiert Palantir ein schwerwiegendes Versagen der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht.
Zudem wird Palantirs Software in Grossbritannien, den USA und Deutschland für rechtswidrige Massenüberwachung und Predictive Policing eingesetzt.
Zusammengefasst schafft das Unternehmen eine digitale Infrastruktur, die Repression und Menschenrechtsverletzungen ermöglicht und Demokratie untergräbt. Gründer Peter Thiel zählt zudem zu den grössten Unterstützern von Donald Trump und seiner autoritären, fossilindustrie getriebenen Agenda.
Wachsender Widerstand: Mehrere Grossinvestoren – darunter der niederländische Pensionsfonds ABP – haben ihre Palantir-Anteile veräussert. Auch die Schweizer Bundesbehörden lehnten bisher eine Zusammenarbeit ab.
Die Projekte von Palantir und ExxonMobil unterstützen direkt die nationale Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung, welche die Vorherrschaft der USA durch die Kombination von fossilen Energieressourcen mit künstlicher Intelligenz (KI) und Big Data mit technologischer und militärischer Überlegenheit zum Ziel hat. Mit der Behauptung, die USA müssen „die Energieressourcen sichern, welche zur Versorgung dieser Bereiche erforderlich sind“, macht das Dokument den massiven Ausbau fossiler Energien zu einer Verpflichtung der nationalen Sicherheit: Öl, Gas und Kohle sind unverzichtbare Brennstoffe für KI-Rechenzentren und Verteidigungsinfrastruktur. Für die Trump-Regierung beruht das „Überleben der Nation“ auf einer umfassenden Überwachungsinfrastruktur (unterstützt durch Palantir), die in der Lage ist, „grenzüberschreitende Bedrohungen“ zu bewältigen. Damit werden grundlegende Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Unterdrückung von Migrant:innen, Kriegstreiben und Klimaschäden als notwendige Kollateralschäden begangen und gerechtfertigt. Unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit fallen bisherige Umwelt- und humanitäre Standards zugunsten einer Militär-Industrie-Energie-Allianz. Davon profitieren ganz wenige Personen.
All diese Fakten sprechen dafür, dass die SNB ihre Anteile in diesen Konzernen sofort veräussern müsste. Die Berufung auf eine passive, marktneutrale Anlagestrategie ist im Hinblick auf Anlagen wie die von ExxonMobil und Palantir nicht haltbar. Unsere Nationalbank sollte im Rahmen ihrer Investitionsrichtlinien ausserdem klare Ausschlusskriterien festlegen, deren Einhaltung streng kontrollieren und transparent darüber kommunizieren.