Roland Gysin 1. April 2026

Investitionen in The Metal Company

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verweigerte Greenpeace das Gespräch über den Kauf von Aktien der kanadischen Firma The Metals Company. Das Unternehmen umgeht mit Hilfe der USA beim Tiefseebergbau internationale Abmachungen.

Die SNB hat im vergangenen Dezember 402’300 Aktien der kanadischen Firma The Metals Company (TMC) gekauft. Wert: knapp 3 Millionen Franken. TMC hat ein paar Dutzend Angestellte und möchte dereinst industriellen Tiefseebergbau betreiben.

Tiefseebergbau ist in internationalen Gewässern verboten. Für alle Fragen ist eine UNO-Behörde zuständig, die International Seabed Authority (ISA). 40 Staaten, darunter die Schweiz, haben sich für ein Tiefseebergbau-Moratorium ausgesprochen.

Für Anleger bedeutet das: Ein Investment in TMC ist hochspekulativ. Das zeigt auch die Entwicklung des Aktienkurses an der New Yorker Börse. Der Wert der TMC-Aktie dümpelte jahrelang im Bereich von 1 Dollar. Plötzlich schoss der Kurs in die Höhe, kürzfristig auf über 9 Dollar. Was war passiert?

Passiert war – Donald Trump. Der amerikanische Präsident unterschrieb im April 2025 eine Verordnung, die den Tiefseebergbau in nationalen und internationalen Gewässern ermöglichen soll, basierend auf einem amerikanischen Gesetz von 1980. Das heisst, mit der Verordnung umgeht Trump internationales Recht.

Flugs stellte TMC bei den USA ein Gesuch für Tiefseebergbau. Das ist ebenfalls ein Rechtsbruch. Die ISA hat eine Untersuchung eingeleitet. Noch ist das TMC-Gesuch bei den amerikanischen Behörden hängig. Die Bewilligung dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.

Greenpeace bat das Risk Management der SNB um ein Gespräch über den Kauf der Aktien von TMC. Doch die SNB winkte ab. Stattdessen erhielten wir von der Kommunikationsabteilung einen zweiseitigen Brief mit Textbausteinen zu den Aufgaben der SNB und dass ihre Geld- und Währungspolitik «dem Gesamtinteresse des Landes» diene.

Das tönt gut und steht auch so in der Bundesverfassung (Art. 99). Umso mehr hätten wir gerne mit dem Risk Management diskutiert, was der Kauf von Aktien eines fragwürdigen Unternehmens mit dem «Gesamtinteresse des Landes» zu tun hat.

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